Definition

Exponentialfunktion
\(f(x) = a \cdot b^x\)

\(a > 0\): Anfangswert, \(b > 0\) und \(b \neq 1\): Basis oder Wachstumsfaktor

Die zwei Bedingungen an die Basis haben einen konkreten Grund. Wäre \(b\) negativ, gäbe es für viele \(x\) keinen Wert: \((-2)^{0{,}5}\) wäre \(\sqrt{-2}\), und das existiert in \(\mathbb{R}\) nicht. Wäre \(b = 1\), stünde da \(f(x) = a \cdot 1^x = a\) - eine konstante Funktion, keine exponentielle.

\(a\) ist der Wert zu Beginn, denn \(f(0) = a \cdot b^0 = a \cdot 1 = a\). Der Graph schneidet die y-Achse also immer im Punkt \((0 \mid a)\).

Drei Exponentialfunktionen
  • \(f(x) = 2^x\): Anfangswert 1, Basis 2 - jeder Schritt verdoppelt
  • \(g(x) = 3 \cdot 1{,}5^x\): Anfangswert 3, Basis 1,5 - jeder Schritt macht das Anderthalbfache
  • \(h(x) = 100 \cdot 0{,}8^x\): Anfangswert 100, Basis 0,8 - jeder Schritt lässt 80 % übrig

Exponentialfunktion, Potenzfunktion, lineare Funktion

Die drei werden oft verwechselt, weil sie ähnlich aussehen. Der Unterschied ist, wo das \(x\) steht:

TypBeispiel\(x\) stehtVon Schritt zu Schritt
Lineare Funktion\(f(x) = 2x\)als Faktorimmer \(+2\)
Potenzfunktion\(f(x) = x^2\)in der Basis\(+1, +3, +5, \ldots\)
Exponentialfunktion\(f(x) = 2^x\)im Exponentenimmer \(\cdot 2\)

Die letzte Spalte ist der Kern. Linear heißt: In gleichen Abständen kommt immer derselbe Betrag dazu. Exponentiell heißt: In gleichen Abständen wird immer mit demselben Faktor multipliziert. Als Formel: \(f(x + 1) = b \cdot f(x)\). Genau diese Eigenschaft nennt der Grundkompetenzkatalog für die Matura (FA 5.4).

Wachstum oder Zerfall - die Basis entscheidet

BasisVerhaltenBeispiel
\(b > 1\)exponentielles Wachstum, die Funktion steigt\(f(x) = 2^x\), Verdopplung pro Schritt
\(0 < b < 1\)exponentieller Zerfall, die Funktion fällt\(f(x) = 0{,}5^x\), Halbierung pro Schritt
Wertetabelle: \(2^x\) und \(\left(\frac{1}{2}\right)^x\)
\(x\)\(-3\)\(-2\)\(-1\)0123
\(2^x\)\(\frac{1}{8}\)\(\frac{1}{4}\)\(\frac{1}{2}\)1248
\(\left(\frac{1}{2}\right)^x\)8421\(\frac{1}{2}\)\(\frac{1}{4}\)\(\frac{1}{8}\)

Die zweite Zeile ist die erste rückwärts gelesen: \(\left(\frac{1}{2}\right)^x = 2^{-x}\). Die beiden Graphen sind Spiegelbilder an der y-Achse.

Nach links, also für negative \(x\), werden die Werte von \(2^x\) immer kleiner - \(\frac{1}{8}\), \(\frac{1}{16}\), \(\frac{1}{32}\) - aber nie null und nie negativ. Der Graph schmiegt sich an die x-Achse an, ohne sie zu erreichen. Diese Linie heißt Asymptote.

Eigenschaften des Graphen

Eigenschaft\(b > 1\) (Wachstum)\(0 < b < 1\) (Zerfall)
y-Achsenabschnitt\((0 \mid a)\)\((0 \mid a)\)
Monotoniestreng monoton steigendstreng monoton fallend
Asymptotex-Achse, für \(x \to -\infty\)x-Achse, für \(x \to +\infty\)
Nullstellenkeinekeine
Definitionsmenge\(\mathbb{R}\)\(\mathbb{R}\)
Wertemenge\(\mathbb{R}^+\), alle positiven Zahlen\(\mathbb{R}^+\), alle positiven Zahlen

Keine Nullstelle - das ist keine Rechenlücke, sondern eine Eigenschaft. \(a \cdot b^x\) ist für \(a > 0\) immer positiv, egal wie groß oder klein \(x\) wird. Wer bei einer Schularbeit nach der Nullstelle einer Exponentialfunktion sucht, hat die Aufgabe missverstanden.

Was die einzelnen Parameter mit dem Graphen machen, wenn man sie verändert, steht unter Parameter der Exponentialfunktion.

Wachstumsfaktor aus Prozent

In Aufgaben steht das Wachstum selten als Faktor, sondern als Prozentsatz: „Das Kapital wächst um 3 % pro Jahr", „die Population nimmt jährlich um 10 % ab". Die Umrechnung ist immer dieselbe:

Wachstumsfaktor
\(b = 1 + \dfrac{p}{100}\)

\(p\) ist die Änderung in Prozent, bei Abnahme negativ

Änderung pro Schritt\(p\)Faktor \(b\)
+ 3 %31,03
+ 20 %201,20
− 10 %\(-10\)0,90
Verdopplung1002
Halbierung\(-50\)0,5

Der häufigste Fehler an dieser Stelle: 5 % Wachstum als \(b = 0{,}05\) zu schreiben. Das wäre ein Zerfall auf ein Zwanzigstel pro Schritt. Richtig ist \(b = 1{,}05\) - der alte Wert bleibt (die 1), und 5 % kommen dazu.

Drei Beispiele

Beispiel 1: Bakterien - 500 Zellen verdoppeln sich jede Stunde
1
Anfangswert \(a = 500\), Faktor \(b = 2\), Zeit \(t\) in Stunden: \(N(t) = 500 \cdot 2^t\)
2
Nach 5 Stunden: \(N(5) = 500 \cdot 2^5 = 500 \cdot 32 = 16.000\) Zellen
3
Nach 10 Stunden: \(N(10) = 500 \cdot 1.024 = 512.000\). Die zweiten fünf Stunden bringen 32-mal so viel Zuwachs wie die ersten fünf - das ist der Unterschied zu linearem Wachstum.
Beispiel 2: Zerfall - 100 g eines Stoffes, Halbwertszeit 3 Jahre
1
Alle 3 Jahre bleibt die Hälfte. Der Exponent zählt also, wie viele Halbwertszeiten vergangen sind: \(m(t) = 100 \cdot \left(\frac{1}{2}\right)^{t/3}\)
2
Nach 6 Jahren sind das zwei Halbwertszeiten: \(m(6) = 100 \cdot \left(\frac{1}{2}\right)^2 = 25\) g
3
Nach 9 Jahren: \(100 \cdot \frac{1}{8} = 12{,}5\) g. Die Menge wird nie exakt 0, sie halbiert sich nur immer weiter.
Beispiel 3: Kapital - 1.000 € bei 3 % Zinsen pro Jahr
1
Faktor \(b = 1 + \frac{3}{100} = 1{,}03\), also \(K(t) = 1000 \cdot 1{,}03^t\)
2
Nach 10 Jahren: \(K(10) = 1000 \cdot 1{,}03^{10} \approx 1000 \cdot 1{,}3439 = 1.343{,}92\) €
3
Ohne Zinseszins, also linear mit 30 € pro Jahr, wären es 1.300 €. Die Differenz von knapp 44 € sind die Zinsen auf die Zinsen.

Wie man aus solchen Angaben Halbwertszeit und Verdoppelungszeit berechnet (FA 5.5), steht unter Halbwertszeit und Verdoppelungszeit, weitere Anwendungen unter exponentielles Wachstum und Zerfall.

Exponentiell überholt jedes Polynom

Am Anfang sieht \(2^x\) harmlos aus - bei \(x = 1\) ist es sogar kleiner als \(x^2\) bei \(x = 2\). Auf Dauer gibt es aber kein Polynom, das mithält:

\(x\)\(2x\)\(x^2\)\(2^x\)
1212
5102532
10201001.024
20404001.048.576

Das gilt für jede Basis \(b > 1\) und jeden Exponenten \(n\): Irgendwann ist \(b^x\) größer als \(x^n\) und bleibt es. Der Vergleich mit einem konkreten linearen Modell steht unter lineares gegen exponentielles Wachstum.

Die Basis \(e\)

Jede Exponentialfunktion lässt sich mit jeder Basis schreiben - \(4^x\) ist dasselbe wie \(2^{2x}\), weil \((2^2)^x = 2^{2x}\). In der Analysis nimmt man fast immer die Eulersche Zahl \(e \approx 2{,}71828\) als Basis, weil \(e^x\) - bis auf einen konstanten Faktor - die einzige Funktion ist, die ihre eigene Ableitung ist. Die Umschreibung lautet \(b^x = e^{\lambda x}\) mit \(\lambda = \ln b\). Was das bedeutet und wozu es gut ist, steht unter natürliche Exponentialfunktion.

Typische Fehler

  • \(2^x\) mit \(x^2\) verwechseln: Bei \(x = 3\) ist \(2^3 = 8\) und \(3^2 = 9\) - fast gleich. Bei \(x = 10\) ist es 1.024 gegen 100. Die Frage ist immer: Wo steht das \(x\)?
  • Prozent als Faktor schreiben: 5 % Wachstum ist \(b = 1{,}05\), nicht \(0{,}05\). 10 % Abnahme ist \(b = 0{,}9\), nicht \(-0{,}1\).
  • Nach der Nullstelle suchen: Es gibt keine. \(a \cdot b^x\) mit \(a > 0\) ist immer positiv.
  • Halbwertszeit direkt als Exponent: Bei Halbwertszeit 3 Jahre ist die Funktion \(100 \cdot 0{,}5^{t/3}\), nicht \(100 \cdot 0{,}5^{3t}\). Der Exponent zählt die vergangenen Halbwertszeiten.
  • Anfangswert und Basis vertauschen: In \(3 \cdot 2^x\) ist 3 der Anfangswert und 2 die Basis. \(f(0) = 3\), nicht 2.

Vertiefung

Übungen

Aufgabe 1Leicht

Welche dieser Funktionen ist eine Exponentialfunktion?

Aufgabe 2Leicht

Ein Kapital von 2.000 € wächst jährlich um 4 %. Welche Funktion beschreibt das?

Aufgabe 3Mittel

Welche Funktion beschreibt exponentiellen Zerfall?

Aufgabe 4Mittel

200 Bakterien verdoppeln sich jede Stunde. Wie viele sind es nach 4 Stunden?

Aufgabe 5Schwer

Für welches \(x\) gilt \(2^x = 16\)?

Aufgabe 6Schwer

Hat \(f(x) = 5 \cdot 2^x\) eine Nullstelle?

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