Die Formel
Voraussetzung ist die Normalform - vor \(x^2\) steht nichts (also eine 1), alle Glieder stehen auf einer Seite, rechts steht 0:
Steht vor \(x^2\) ein Faktor, muss die ganze Gleichung zuerst durch diesen Faktor dividiert werden. Aus \(2x^2 - 8x + 6 = 0\) wird \(x^2 - 4x + 3 = 0\), erst dann gilt \(p = -4\) und \(q = 3\). Wer den Faktor ignoriert, rechnet mit falschen Werten.
Woher die Formel kommt
Die pq-Formel ist nichts anderes als die quadratische Ergänzung, einmal allgemein durchgerechnet. Die Idee: Die linke Seite so ergänzen, dass ein vollständiges Quadrat entsteht - dann kann man die Wurzel ziehen.
Warum ausgerechnet \(\left(\frac{p}{2}\right)^2\)? Weil \(\left(x + \frac{p}{2}\right)^2 = x^2 + 2 \cdot x \cdot \frac{p}{2} + \left(\frac{p}{2}\right)^2 = x^2 + px + \left(\frac{p}{2}\right)^2\) ist. Das mittlere Glied \(px\) ist schon da; es fehlt nur das Quadrat der Hälfte von \(p\). Wer diese Herleitung einmal selbst nachvollzogen hat, kann die Formel jederzeit wiederherstellen, statt sie auswendig zu lernen.
Vorgehen in fünf Schritten
Vier Beispiele, alle Lösungsfälle
Probe für \(x_1 = 5\): \(25 - 30 + 5 = 0\). Für \(x_2 = 1\): \(1 - 6 + 5 = 0\). Beide stimmen.
Auch hier hätte die binomische Formel gereicht: \(x^2 + 4x + 4 = (x + 2)^2\), und ein Quadrat ist nur dann 0, wenn die Basis 0 ist.
Die Division ändert die Lösungen nicht - \(2x^2 - 8x + 6 = 0\) und \(x^2 - 4x + 3 = 0\) haben dieselbe Lösungsmenge. Sie ändert nur, welche Zahlen man in die Formel einsetzt.
Kontrolle mit dem Satz von Vieta
Für die Normalform gilt: Die Summe der beiden Lösungen ist \(-p\), ihr Produkt ist \(q\). Das ist die schnellste Kontrolle, schneller als die Probe:
Summe: \(5 + 1 = 6 = -(-6)\). Produkt: \(5 \cdot 1 = 5 = q\). Beides passt.
Der Satz funktioniert auch rückwärts: Bei \(x^2 - 5x + 6 = 0\) sucht man zwei Zahlen mit Summe 5 und Produkt 6 - das sind 2 und 3, ohne eine Wurzel zu ziehen. Mehr dazu beim Satz von Vieta.
Wann die große Lösungsformel besser ist
Steht vor \(x^2\) ein Faktor, durch den sich \(b\) und \(c\) nicht glatt teilen lassen, erzeugt die Normalform Brüche: Aus \(4x^2 + 4x - 3 = 0\) wird \(x^2 + x - \frac{3}{4} = 0\). Dann ist die große Lösungsformel \(x_{1,2} = \frac{-b \pm \sqrt{b^2 - 4ac}}{2a}\) der kürzere Weg, weil sie direkt mit \(a\), \(b\) und \(c\) arbeitet. Beide Formeln liefern dieselben Lösungen; die kleine ist der Sonderfall der großen für \(a = 1\).
Die fünf häufigsten Fehler
- Nicht in Normalform: Bei \(3x^2 + 6x + 3 = 0\) zuerst durch 3 dividieren. Sonst wird mit \(p = 6\) statt \(p = 2\) gerechnet.
- Vorzeichen von \(p\) verschluckt: In \(x^2 - 6x + 5 = 0\) ist \(p = -6\). Das Minus gehört zum Koeffizienten.
- Das Minus vor \(\frac{p}{2}\) übersehen: Die Formel beginnt mit \(-\frac{p}{2}\). Bei \(p = -6\) ergibt das \(+3\), bei \(p = 4\) ergibt das \(-2\).
- Bei negativer Diskriminante weiterrechnen: Steht unter der Wurzel eine negative Zahl, gibt es in \(\mathbb{R}\) keine Lösung. Das ist ein Ergebnis, kein Rechenfehler.
- Nur eine Lösung notieren: Das \(\pm\) liefert zwei Lösungen. Nur bei \(D = 0\) fallen sie zusammen.
Übungen
\(x^2 - 2x - 3 = 0\). Welche Werte haben \(p\) und \(q\)?
Wann hat eine quadratische Gleichung keine reelle Lösung?
Löse: \(x^2 - 5x + 6 = 0\)
Löse: \(x^2 + 8x + 16 = 0\)
Löse: \(2x^2 - 10x + 12 = 0\)
Hat \(x^2 + x + 1 = 0\) eine reelle Lösung?