Die Formel

Für jede quadratische Gleichung in der allgemeinen Form \(ax^2 + bx + c = 0\) mit \(a \neq 0\) gilt:

Große Lösungsformel
\(x_{1,2} = \dfrac{-b \pm \sqrt{b^2 - 4ac}}{2a}\)

Das \(\pm\) steht für zwei Rechnungen: einmal mit Plus, einmal mit Minus vor der Wurzel.

\(x_1 = \dfrac{-b + \sqrt{b^2 - 4ac}}{2a}\) und \(x_2 = \dfrac{-b - \sqrt{b^2 - 4ac}}{2a}\)

Der Ausdruck unter der Wurzel, \(b^2 - 4ac\), heißt Diskriminante. Ist er negativ, hat die Gleichung keine reelle Lösung; ist er 0, fallen \(x_1\) und \(x_2\) zusammen.

Wichtig beim Ablesen: \(a\), \(b\) und \(c\) sind die Zahlen mit ihrem Vorzeichen. In \(2x^2 - 8x + 6 = 0\) ist \(b = -8\), nicht \(8\). Steht die Gleichung noch nicht in der Form „alles auf einer Seite, rechts 0", muss sie zuerst dorthin gebracht werden.

Woher die Formel kommt: quadratische Ergänzung

Die Formel ist kein Zaubertrick, sondern das Ergebnis einer Umformung, die man für jede konkrete Gleichung genauso machen könnte. Die Idee: Die linke Seite so ergänzen, dass sie ein vollständiges Quadrat \((x + \text{etwas})^2\) wird - dann lässt sich die Wurzel ziehen.

Herleitung aus \(ax^2 + bx + c = 0\)
1
Durch \(a\) dividieren, damit vor \(x^2\) eine 1 steht: \(x^2 + \frac{b}{a}x + \frac{c}{a} = 0\)
2
Das Absolutglied auf die rechte Seite: \(x^2 + \frac{b}{a}x = -\frac{c}{a}\)
3
Quadratisch ergänzen: Auf beiden Seiten \(\left(\frac{b}{2a}\right)^2\) addieren. Die linke Seite ist jetzt genau die binomische Formel \((x + \frac{b}{2a})^2 = x^2 + \frac{b}{a}x + \left(\frac{b}{2a}\right)^2\).
4
Links als Quadrat schreiben, rechts auf einen Bruch bringen: \(\left(x + \frac{b}{2a}\right)^2 = \frac{b^2 - 4ac}{4a^2}\)
5
Wurzel ziehen (mit \(\pm\)): \(x + \frac{b}{2a} = \pm\frac{\sqrt{b^2 - 4ac}}{2a}\)
6
\(\frac{b}{2a}\) auf die andere Seite: \(x_{1,2} = \frac{-b \pm \sqrt{b^2 - 4ac}}{2a}\)

Schritt 4 im Detail, weil er am häufigsten Fragen aufwirft: \(-\frac{c}{a} + \frac{b^2}{4a^2}\) auf den gemeinsamen Nenner \(4a^2\) gebracht ergibt \(\frac{-4ac + b^2}{4a^2}\). Und \(\sqrt{4a^2} = 2a\), deshalb steht im Nenner der Formel \(2a\).

Vier Beispiele, alle Lösungsfälle

Beispiel 1: Zwei Lösungen - \(2x^2 + 8x - 10 = 0\)
1
Ablesen: \(a = 2\), \(b = 8\), \(c = -10\)
2
Einsetzen: \(x_{1,2} = \frac{-8 \pm \sqrt{8^2 - 4 \cdot 2 \cdot (-10)}}{2 \cdot 2}\)
3
Unter der Wurzel: \(64 - (-80) = 64 + 80 = 144\), also \(\sqrt{144} = 12\)
4
\(x_1 = \frac{-8 + 12}{4} = 1\) und \(x_2 = \frac{-8 - 12}{4} = -5\)

Probe für \(x_2 = -5\): \(2 \cdot 25 + 8 \cdot (-5) - 10 = 50 - 40 - 10 = 0\). Stimmt.

Beispiel 2: Eine Doppellösung - \(x^2 - 6x + 9 = 0\)
1
\(a = 1\), \(b = -6\), \(c = 9\)
2
\(x_{1,2} = \frac{6 \pm \sqrt{36 - 36}}{2} = \frac{6 \pm 0}{2}\)
3
\(x_1 = x_2 = 3\). Die Diskriminante ist 0, die Parabel berührt die x-Achse nur in diesem Punkt.

Das war absehbar: \(x^2 - 6x + 9\) ist die binomische Formel \((x - 3)^2\). Wer das erkennt, spart sich die Formel.

Beispiel 3: Keine reelle Lösung - \(3x^2 - 2x + 1 = 0\)
1
\(a = 3\), \(b = -2\), \(c = 1\)
2
Diskriminante: \(b^2 - 4ac = 4 - 12 = -8\)
3
Negativ unter der Wurzel - in \(\mathbb{R}\) gibt es keine Lösung. Die Parabel \(y = 3x^2 - 2x + 1\) liegt ganz oberhalb der x-Achse.
Beispiel 4: Brüche als Lösungen - \(4x^2 + 4x - 3 = 0\)
1
\(a = 4\), \(b = 4\), \(c = -3\)
2
\(x_{1,2} = \frac{-4 \pm \sqrt{16 - 4 \cdot 4 \cdot (-3)}}{8} = \frac{-4 \pm \sqrt{16 + 48}}{8} = \frac{-4 \pm 8}{8}\)
3
\(x_1 = \frac{4}{8} = \frac{1}{2}\) und \(x_2 = \frac{-12}{8} = -\frac{3}{2}\)

Genau hier zeigt sich der Vorteil der großen Formel: Mit der kleinen Lösungsformel hätte man zuerst durch 4 dividieren und dann mit \(p = 1\) und \(q = -\frac{3}{4}\) rechnen müssen - dasselbe Ergebnis, aber mehr Bruchrechnung unterwegs.

Große oder kleine Lösungsformel?

Beide Formeln liefern immer dasselbe Ergebnis - die kleine ist nur der Spezialfall der großen für \(a = 1\). Die Frage ist allein, welcher Weg weniger Rechenarbeit macht:

SituationEmpfehlungGrund
Vor \(x^2\) steht bereits eine 1Kleine LösungsformelKürzer, weniger Terme
Vor \(x^2\) steht ein Faktor, durch den \(b\) und \(c\) glatt teilbar sind (etwa \(2x^2 - 8x + 6\))Beides gleich gutNach Division durch 2 bleibt alles ganzzahlig
Vor \(x^2\) steht ein Faktor, der Brüche erzeugen würde (etwa \(4x^2 + 4x - 3\))Große LösungsformelKeine Bruchrechnung vor dem Einsetzen
Negatives \(a\), etwa \(-x^2 + 4x - 3 = 0\)Erst mit \(-1\) multiplizierenVermeidet Vorzeichenfehler im Nenner \(2a\)

Die kleine Lösungsformel mit eigener Herleitung und Beispielen steht auf der Seite zur pq-Formel.

Typische Fehler

  • \(-b\) bei negativem \(b\): Ist \(b = -5\), dann ist \(-b = +5\). Das Minus in der Formel und das Minus im Koeffizienten heben sich auf.
  • \(b^2\) ist nie negativ: \((-6)^2 = 36\), nicht \(-36\). Wer beim Quadrieren das Vorzeichen mitnimmt, bekommt eine falsche Diskriminante.
  • \(4ac\) mit negativem \(c\): \(-4 \cdot 2 \cdot (-10)\) ist \(+80\). Minus mal Minus wird Plus, die Diskriminante wird dadurch größer, nicht kleiner.
  • Nur durch 2 statt durch \(2a\) dividieren: Der Nenner ist \(2a\). Bei \(a = 3\) also 6.
  • Nur eine Lösung ausrechnen: Das \(\pm\) bedeutet zwei Rechnungen. Nur bei \(D = 0\) fallen sie zusammen.

Die zuverlässigste Kontrolle ist die Probe: Beide Lösungen in die Ausgangsgleichung einsetzen. Ergibt sich nicht 0, steckt ein Fehler in der Rechnung. Schneller geht die Kontrolle mit dem Satz von Vieta: Für \(ax^2 + bx + c = 0\) gilt \(x_1 + x_2 = -\frac{b}{a}\) und \(x_1 \cdot x_2 = \frac{c}{a}\). In Beispiel 1: \(1 + (-5) = -4 = -\frac{8}{2}\) und \(1 \cdot (-5) = -5 = \frac{-10}{2}\).

Übungen

Aufgabe 1Leicht

Welche Werte haben \(a\), \(b\) und \(c\) in \(3x^2 + 12x + 9 = 0\)?

Aufgabe 2Leicht

Löse mit der großen Lösungsformel: \(x^2 - 5x + 6 = 0\)

Aufgabe 3Mittel

Löse: \(2x^2 - 3x - 2 = 0\)

Aufgabe 4Mittel

Wie viele reelle Lösungen hat \(3x^2 - 2x + 1 = 0\)?

Aufgabe 5Schwer

Löse: \(-x^2 + 4x - 3 = 0\). Wie groß ist die Summe der beiden Lösungen?

🎯 Dein Ergebnis
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