Qualitätskontrolle

In der industriellen Fertigung wird die Stochastik zur Überwachung der Produktqualität eingesetzt. Man entnimmt Stichproben und entscheidet anhand der Ergebnisse, ob die Produktion den Qualitätsstandards entspricht.

Typische Fragestellung: Ein Hersteller gibt an, dass höchstens \(p_0 = 2\,\%\) seiner Produkte fehlerhaft sind. Eine Stichprobe wird entnommen, um diese Behauptung zu überprüfen.

Beispiel: Stichprobenprüfung

Aus einer Produktion werden \(n = 500\) Stück entnommen. Davon sind 18 fehlerhaft.

\(\hat{p} = \frac{18}{500} = 0{,}036 = 3{,}6\,\%\)

Rechtsseitiger Test: \(H_0: p \leq 0{,}02\), \(H_1: p > 0{,}02\), \(\alpha = 0{,}05\)

\(Z = \frac{0{,}036 - 0{,}02}{\sqrt{\frac{0{,}02 \cdot 0{,}98}{500}}} = \frac{0{,}016}{0{,}00626} \approx 2{,}55\)

Da \(2{,}55 > 1{,}645\) wird \(H_0\) verworfen: Die Fehlerquote ist signifikant erhöht.

Medizinische Tests

Bei medizinischen Tests spielen Sensitivität und Spezifität eine zentrale Rolle. Diese Begriffe hängen eng mit bedingter Wahrscheinlichkeit und dem Satz von Bayes zusammen.

Sensitivität und Spezifität
\(\text{Sensitivität} = P(\text{Test } + \mid \text{krank}) \qquad \text{Spezifität} = P(\text{Test } - \mid \text{gesund})\)

Positiver Vorhersagewert: Die entscheidende Frage für den Patienten ist: „Wie wahrscheinlich bin ich krank, wenn der Test positiv ist?" Das berechnet man mit dem Satz von Bayes:

\(P(\text{krank} \mid \text{Test } +) = \frac{P(\text{Test } + \mid \text{krank}) \cdot P(\text{krank})}{P(\text{Test } +)}\)

Beispiel: COVID-Schnelltest

Sensitivität: 95 %, Spezifität: 98 %, Prävalenz: 1 %

\(P(\text{krank} \mid +) = \frac{0{,}95 \cdot 0{,}01}{0{,}95 \cdot 0{,}01 + 0{,}02 \cdot 0{,}99} = \frac{0{,}0095}{0{,}0095 + 0{,}0198} = \frac{0{,}0095}{0{,}0293} \approx 0{,}324\)

Nur etwa 32 % der positiv Getesteten sind tatsächlich krank! Das liegt an der niedrigen Prävalenz.

Meinungsumfragen

Bei Meinungsumfragen wird aus einer Stichprobe auf die Meinung der Gesamtbevölkerung geschlossen. Die Genauigkeit hängt vom Stichprobenumfang ab.

Beispiel: Sonntagsfrage

Bei einer Umfrage mit \(n = 1000\) Befragten geben 340 an, Partei A zu wählen.

\(\hat{p} = 0{,}34\)

95 %-Konfidenzintervall: \(0{,}34 \pm 1{,}96 \cdot \sqrt{\frac{0{,}34 \cdot 0{,}66}{1000}} = 0{,}34 \pm 0{,}029\)

Partei A liegt mit 95 % Sicherheit zwischen 31,1 % und 36,9 %.

Schwankungsbreite in den Medien: Die oft genannte „statistische Schwankungsbreite von \(\pm 3\) Prozentpunkten" bei einer Umfrage mit 1000 Befragten entspricht genau dem 95 %-Konfidenzintervall mit \(\hat{p} \approx 0{,}5\).

Zusammenfassung: Methoden und Anwendungen

AnwendungMethodeTypische Fragestellung
QualitätskontrolleSignifikanztestFehlerquote zu hoch?
Medizinischer TestBayes / bedingte W.Wie sicher ist ein positiver Test?
MeinungsumfrageKonfidenzintervallWie groß ist die Unsicherheit?

Übungen

Aufgabe 1Leicht

Ein medizinischer Test hat eine Sensitivität von 99 % und eine Spezifität von 95 %. Was bedeutet die Spezifität?

Aufgabe 2Mittel

Bei einer Qualitätskontrolle werden 300 Produkte geprüft, 12 sind fehlerhaft. Der Hersteller behauptet \(p \leq 0{,}03\). Wie lautet \(\hat{p}\)?

Aufgabe 3Mittel

Warum ist der positive Vorhersagewert bei seltenen Krankheiten oft niedrig, selbst bei guten Tests?

Aufgabe 4Schwer

Bei einer Umfrage mit \(n = 800\) geben 280 an, ein Produkt zu kennen. Berechne das 95 %-Konfidenzintervall für den Bekanntheitsgrad.

Aufgabe 5Schwer

Ein Test hat 90 % Sensitivität und 99 % Spezifität. Die Prävalenz beträgt 5 %. Wie groß ist \(P(\text{krank} \mid \text{Test}+)\)?

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