Mechanische Schwingungen

Ein Federpendel oder eine Stimmgabel führt eine harmonische Schwingung aus. Die Auslenkung wird durch eine Sinusfunktion beschrieben:

Harmonische Schwingung
\(s(t) = A \cdot \sin(\omega \cdot t + \varphi_0)\)

\(A\) = Amplitude (max. Auslenkung), \(\omega = \frac{2\pi}{T}\) = Kreisfrequenz, \(\varphi_0\) = Anfangsphase

Zusammenhänge:

  • Periode: \(T = \frac{2\pi}{\omega}\) – Dauer einer vollständigen Schwingung
  • Frequenz: \(f = \frac{1}{T} = \frac{\omega}{2\pi}\) – Anzahl der Schwingungen pro Sekunde (in Hertz)
  • Amplitude: \(A\) – maximale Auslenkung aus der Ruhelage
Beispiel: Federpendel

Ein Federpendel schwingt mit einer Periode von \(T = 0{,}5\) s und einer Amplitude von 3 cm.

Kreisfrequenz: \(\omega = \frac{2\pi}{0{,}5} = 4\pi \approx 12{,}57\) rad/s

Frequenz: \(f = \frac{1}{0{,}5} = 2\) Hz (2 Schwingungen pro Sekunde)

Funktion: \(s(t) = 3 \cdot \sin(4\pi t)\) cm

Wellen und Schall

Schallwellen und Lichtwellen sind ebenfalls periodische Phänomene:

Schallwelle: Die Auslenkung der Luftteilchen folgt einer Sinusfunktion. Die Frequenz bestimmt die Tonhöhe, die Amplitude die Lautstärke.

  • Kammerton A: \(f = 440\) Hz → \(T = \frac{1}{440} \approx 0{,}00227\) s
  • Tiefes C: \(f \approx 65\) Hz → \(T \approx 0{,}0154\) s
Beispiel: Schallwelle

Ein Ton mit 440 Hz (Kammerton A):

\(p(t) = p_0 \cdot \sin(2\pi \cdot 440 \cdot t) = p_0 \cdot \sin(880\pi \cdot t)\)

In einer Sekunde wiederholt sich die Schwingung 440 Mal!

Überlagerung: Wenn mehrere Töne gleichzeitig erklingen, überlagern sich die Sinuswellen. Ein Akkord ist mathematisch die Summe mehrerer Sinusfunktionen mit verschiedenen Frequenzen.

Saisonale Schwankungen

Viele Größen in Natur und Wirtschaft schwanken periodisch mit einer Jahreslänge. Diese lassen sich gut mit Sinusfunktionen modellieren:

Beispiel: Temperaturverlauf

Die Durchschnittstemperatur in Wien schwankt zwischen ca. \(-1°\)C (Januar) und \(21°\)C (Juli). Ein Modell:

\(T(t) = 10 + 11 \cdot \sin\left(\frac{2\pi}{12}(t - 4)\right)\)

Dabei ist \(t\) der Monat (1 = Januar, ..., 12 = Dezember):

  • Mittelwert: \(10°\)C (vertikale Verschiebung \(d = 10\))
  • Amplitude: \(11°\)C (Schwankung um den Mittelwert)
  • Periode: \(T = 12\) Monate
  • Phasenverschiebung: \(c = 4\) (Maximum im Juli, Monat 7)

Weitere Beispiele saisonaler Modellierung:

  • Sonnenstunden pro Tag
  • Wassertemperatur eines Sees
  • Stromverbrauch (Heizung im Winter)
  • Touristenzahlen

Modellierung: Vorgehen

So erstellst du ein trigonometrisches Modell für reale Daten:

Schritt-für-Schritt:

  1. Mittelwert \(d\): \(d = \frac{\text{Maximum} + \text{Minimum}}{2}\)
  2. Amplitude \(a\): \(a = \frac{\text{Maximum} - \text{Minimum}}{2}\)
  3. Periode \(T\): Aus der Länge eines vollständigen Zyklus → \(b = \frac{2\pi}{T}\)
  4. Phasenverschiebung \(c\): Bestimme, wo das Maximum liegt, und berechne die Verschiebung
  5. Funktion: \(f(t) = a \cdot \sin(b(t - c)) + d\)
Beispiel: Gezeiten

Die Tide in einem Hafen schwankt zwischen 1,5 m (Niedrigwasser) und 5,5 m (Hochwasser) mit einer Periode von ca. 12,4 Stunden.

\(d = \frac{5{,}5 + 1{,}5}{2} = 3{,}5\) m

\(a = \frac{5{,}5 - 1{,}5}{2} = 2\) m

\(b = \frac{2\pi}{12{,}4} \approx 0{,}507\)

Modell: \(h(t) = 2 \cdot \sin(0{,}507 \cdot t) + 3{,}5\) (wenn Hochwasser bei \(t = \frac{T}{4}\))

Übungen

Aufgabe 1Leicht

Ein Pendel schwingt 5 Mal pro Sekunde. Welche Frequenz hat es?

Aufgabe 2Mittel

Die Temperatur schwankt zwischen 5°C und 25°C mit Jahresperiode. Welche Amplitude hat das Modell?

Aufgabe 3Mittel

Ein Ton hat die Periode \(T = 0{,}002\) s. Welche Frequenz hat er?

Aufgabe 4Schwer

Der Wasserstand schwankt zwischen 2 m und 8 m mit einer Periode von 12 Stunden. Welches Modell passt (mit Maximum bei \(t = 3\) h)?

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