Formale Definition einer Funktion

Eine Funktion (oder Abbildung) ist eine Zuordnung, die jedem Element \(x\) aus einer Menge \(A\) (der Definitionsmenge) genau ein Element \(y\) aus einer Menge \(B\) (der Zielmenge) zuordnet.

Formale Schreibweise
\(f: A \to B, \quad x \mapsto f(x)\)

\(A\) = Definitionsmenge, \(B\) = Zielmenge, \(f(x)\) = Funktionswert (Bild von \(x\))

Man unterscheidet zwei Pfeile:

  • \(\to\) (Pfeil zwischen Mengen): Gibt an, von welcher Menge in welche Menge abgebildet wird
  • \(\mapsto\) (Zuordnungspfeil): Gibt die konkrete Zuordnungsvorschrift an
Beispiel: Quadratfunktion

\(f: \mathbb{R} \to \mathbb{R}, \quad x \mapsto x^2\)

Lies: "Die Funktion \(f\) bildet von \(\mathbb{R}\) nach \(\mathbb{R}\) ab und ordnet jedem \(x\) den Wert \(x^2\) zu."

1
Definitionsmenge: \(D = \mathbb{R}\) (alle reellen Zahlen erlaubt)
2
Zielmenge: \(\mathbb{R}\)
3
Wertemenge: \(W = \{y \in \mathbb{R} \mid y \geq 0\} = \mathbb{R}_0^+\) (nur nicht-negative Werte kommen tatsächlich vor)

Definitionsmenge, Zielmenge & Wertemenge

Diese drei Begriffe sind zentral und werden oft verwechselt:

Definitionsmenge \(D\): Alle Werte, die man für \(x\) einsetzen darf (= alle erlaubten Eingabewerte).

Zielmenge (Codomäne): Die Menge, in die abgebildet wird. Oft einfach \(\mathbb{R}\).

Wertemenge \(W\): Die Menge aller tatsächlich angenommenen Funktionswerte. Es gilt immer: \(W \subseteq B\).

Die Wertemenge ist immer eine Teilmenge der Zielmenge. Bei der Funktion \(f(x) = x^2\) mit Zielmenge \(\mathbb{R}\) ist die Wertemenge nur \(\mathbb{R}_0^+\), weil Quadrate nie negativ sind.

Beispiel: Eingeschränkte Definitionsmenge

\(f: \mathbb{R}^+ \to \mathbb{R}, \quad x \mapsto \sqrt{x}\)

Die Wurzelfunktion ist nur für \(x \geq 0\) definiert, daher ist \(D = \mathbb{R}_0^+ = [0, +\infty)\).

Die Wertemenge ist ebenfalls \(W = [0, +\infty)\).

Tipp: Um die Definitionsmenge zu bestimmen, frage dich: "Für welche \(x\)-Werte ist der Funktionsterm nicht definiert?" Typische Einschränkungen: Division durch Null, Wurzel aus negativen Zahlen, Logarithmus von nicht-positiven Zahlen.

Funktion oder nicht? Der Vertikallinientest

Nicht jede Kurve im Koordinatensystem ist der Graph einer Funktion. Das zentrale Kriterium: Jedem x-Wert darf höchstens ein y-Wert zugeordnet sein.

Vertikallinientest
Eine Kurve ist genau dann der Graph einer Funktion, wenn jede senkrechte Gerade die Kurve in höchstens einem Punkt schneidet.
Beispiele

Funktion: \(f(x) = x^2\) -- Jede Vertikale schneidet die Parabel in genau einem Punkt.

Keine Funktion: \(x^2 + y^2 = 1\) (Einheitskreis) -- Eine Vertikale bei \(x = 0\) schneidet den Kreis in zwei Punkten: \((0|1)\) und \((0|-1)\).

Funktion: \(f(x) = |x|\) -- Jede Vertikale schneidet den Betragsgraph in genau einem Punkt.

Achtung: Eine Relation wie \(y^2 = x\) ist keine Funktion von \(x\), denn für \(x = 4\) gibt es zwei \(y\)-Werte: \(y = 2\) und \(y = -2\). Man kann sie aber in zwei Funktionen aufteilen: \(y = \sqrt{x}\) und \(y = -\sqrt{x}\).

Wichtige Beispiele reeller Funktionen

Hier sind einige wichtige Funktionstypen mit ihrer formalen Schreibweise:

FunktionFormale SchreibweiseDW
Lineare Funktion\(f: \mathbb{R} \to \mathbb{R},\; x \mapsto kx + d\)\(\mathbb{R}\)\(\mathbb{R}\)
Quadratfunktion\(f: \mathbb{R} \to \mathbb{R},\; x \mapsto x^2\)\(\mathbb{R}\)\(\mathbb{R}_0^+\)
Wurzelfunktion\(f: \mathbb{R}_0^+ \to \mathbb{R},\; x \mapsto \sqrt{x}\)\(\mathbb{R}_0^+\)\(\mathbb{R}_0^+\)
Kehrwertfunktion\(f: \mathbb{R}\setminus\{0\} \to \mathbb{R},\; x \mapsto \frac{1}{x}\)\(\mathbb{R}\setminus\{0\}\)\(\mathbb{R}\setminus\{0\}\)

Übungen

Aufgabe 1Leicht

Was gibt die Schreibweise \(x \mapsto 3x - 1\) an?

Aufgabe 2Mittel

Welche Definitionsmenge hat \(f(x) = \frac{1}{x - 2}\)?

Aufgabe 3Mittel

Ist der Einheitskreis \(x^2 + y^2 = 1\) der Graph einer Funktion?

Aufgabe 4Schwer

Welche Wertemenge hat \(f: \mathbb{R} \to \mathbb{R}, \; x \mapsto x^2 + 1\)?

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